Stock Market Bubble? – Ray Dalio

Die Finanzmärkte haben sich seit dem Corona-Crash rasant erholt und sind von einem Hoch zum nächsten gejagt. Darüber hinaus gab bzw. gibt es einen regelrechten Hype rund um “Meme Aktien“, welche von Reddit Tradern in schwindelerregende Höhen katapultiert werden. Auch die Börsengänge durch das Vehikel eines SPAC’s erinnern an die Zeiten des neuen Marktes zur Jahrtausendwende. Hierbei wird lediglich eine Unternehmenshülle an die Börse gebracht, welche dann anschließend ein aufstrebendes Start-Up aufkauft und es somit an der Börse gelistet ist.
Zudem belasten steigende Anleihenrenditen, welche durch eine antizipierte Inflation steigen, die Börsenkurse.
Somit kommt die Frage auf, ob die Entwicklung an den Finanzmärkten wirklich nachhaltig erfolgte oder ob die aktuellen Bewertungen doch übertrieben sind und eine Korrektur bevorsteht.

Whitepaper von Bridgewater Associates

Ray Dalio beschäftigt sich, wie er selbst sagt, bereits seit Jahrzehnten mit Blasen an den Finanzmärkten und kann auf Basis seiner Erfahrung wohl eine relativ gute Einschätzung abgeben. In einem im Februar veröffentlichten Artikel tat er das auch. Dort hat er mittels eines selbstentwickelten “Bubble Indicator” einen Einblick in seine Gedanken gegeben. Dieser Indikator wird zudem selbst von Bridgewater verwendet, weshalb sich ein Blick in das Whitepaper wohl allemal lohnt. Insgesamt betrachtet der Indikator sechs verschiedene Maße um die aktuelle Lage an den Finanzmärkte einzuschätzen.

1. Wie hoch sind die Preise im Vergleich zu traditionellen Kennzahlen?​

Hier werden die aktuellen Preise von US-Aktien über die Zeit verglichen. Eine genaue Definiton ob bspw. nur bestimmte Märkte, gewisse Aktiengrößen o.ä. herangezogen werden, wird leider nicht gegeben. Die aktuelle Einordnung sieht wie folgt aus:

Aktuell befinden sich US Aktien etwa an ihrem 82. Perzentil und sind somit definitiv historisch betrachtet hoch bewertet. Die Höchstwerte dieser Messkategorie finden sich in den 1920ern und um die Jahrtausendwende wider.

2. Diskontieren die Preise unhaltbare Verhältnisse?​

Innerhalb dieser Messkategorie ist es wichtig zu verstehen, dass Wachstumsraten von Unternehmen stets auf den heutigen Zeitpunkt abdiskonitert werden. Dieses finanzwirtschaftliche Prinzip stellt eine der Grundlagen der Unternehmensbewertung dar und wird von Bridgewater ebenfalls bewertet. Konkret wird berechnet, welche Wachstumsraten die Gewinne von Unternehmen aufweisen müssten, damit sie eine höhere Rendite liefern als Anleihen. 

Der aktuelle Stand dieser Messkategorie sieht wie folgt aus:

Aktuell befindet sich dieser Indikator am 77. Perzentil, wobei die Hochpunkte im Jahr 1929 und 2000 widerzufinden sind.

3. Wie viele neuen Käufer sind in den Markt eingetretten?

Eine hohe Anzahl an neuen Marktteilnehmern weißt grundsätzlich auf eine Blase hin, da diese lediglich durch die steigenden Preise angezogen werden. Dies war sowohl 1929 als auch im Jahr 2000 der Fall, als die Aktienmärtke boomten und die Anzahl an neuen Marktteilenehmer in die Höhe schoss.

Bei einem aktuellen Bewertung in Höhe des 95. Perzentil, befindet sich diese Messkategorie definitiv in der Region einer Blase. Dies mag vor allem an den der stark wachsenden Nutzerzahlen neuer Broker á la Robinhood und co. liegen, die während der Coronakrise zahlreiche neue Nutzer verzeichnen konnten. Eventuell sollte diese Messgröße deshalb mit etwas Vorsicht genossen werden, da eine hohe Zahl an neuen Marktteilnehmern meiner Meinung nach auch einerseits auf die gesunkenen Markteintrittsbarrieren zurückzuführend sind und andererseits an der Alternativlosigkeit der Aktienanlage. Um privat vorzusorgen bleibt einem Privatanleger im Endeffekt gar nichts anderes mehr übrig, als einen Teil seines Vermögens am Kapitalmarkt zu investieren. Zudem ist es heutzutage einfach denje Aktien zu kaufen. Einfach eine App auf das Handy laden, das Konto beantrage, alle notwendigen Dokumente einscannen, Geld einzahlen und schon kann gehandelt werden. Dieser Prozess wurde durch Fintechs wie Robinhood, Trade Republic oder Scalable Capital soweit vereinfacht und beschleunigt, dass innerhalb von ein paar Tagen bereits mit dem Handel gestartet werden kann.

4. Wie bullisch ist das Sentiment?​

Je bullischer das aktuelle Sentiment, desto mehr Leute haben bereits in die Aktienmärkte investiert und desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie noch mehr investieren werden.

Das Sentiment befindet sich aktuell am 85. Perzentil. Darüberhinaus wird erwähnt, dass die Konzentration des Sentiments überwiegend in Aktien der Kategorie “Emerging Tech” widerzufinden ist. Es wird keine genaue Definition gegeben, doch höchstwahrscheinlich verbergen sich hinter diesem Begriff Aktien der Kategorie Biotech, Künstliche Intelligenz, Blockchain etc. Generell also Unternehmen, die neue Technologien verwenden und somit das Potential besitzen ganze Branchen zu verändern.

5. Werden Käufe durch einen hohen Anteil an Fremdkapital finanziert?

Ein hoher Einsatz von Fremdkapital, worunter auch der Handel von Derivaten wie bspw. Optionen angesehen wird, macht ein Portfolio anfälliger in Falle eines Downturns. Wie unter Punkt 4 werden ebenfalls wieder Aktien der Kategorie “Emerging Tech” mit sehr hohen Anteilen an Fremdkapital gehandelt.

Aktuell befindet sich dieser Indikator am 80. Perzentil. Eine weitere gute Übersicht über den aktuell sehr hohen Anteil an Fremdkapital zeigt die folgende Grafik, in der das Volumen von gehandelten Call- und Put-Optionen abgetragen ist. Das gehandelte Volumen an Call-Optionen befindet sich aktuell auf einem Allzeithoch!

6. Haben Käufer außergewöhnlich viele Terminkäufe getätigt, um zu spekulieren oder sich vor zukünftigen Preissteigerungen zu schützen?

Um übermäßig positive Erwartungen zu messen, wird mittels diesem Indikator das Volumen an Terminkäufen gemessen.

Bei Unternehmen wird vor allem auf die Investitionsquote geschaut, um herauszufinden ob sie die aktuelle hohe Nachfrage in die Zukunft interpolieren und durch hohe Investitionen in der Zukunft abdecken. Zudem gelten auch Unternehmenskäufe als geeignetes Maß um den Optimismus der Unternehmen zu messen, weshalb die M&A Aktivität ebenfalls einen Einfluss auf diesen Indikator hat.

Übersicht aller 6 Messungen

Die Grafik vergleicht die aktuelle Situationen mit der Finanzkrise 2007, der Dotcom-Blase während der Jahrtausendwende und den 20iger Jahren vor der großen Depression. Es werden zudem zwei verschiedene Bewertungen durchgeführt: für den Gesamtmarkt und den Bereich der Emerging Tech Aktien. Obwohl der Gesamtmarkt einige Zeichen einer hohen Bewertung aufweist, sind es vor allem die Emerging Tech Aktien, die eine blasenähnliche Bewertung aufweisen. Der Begriff Frothy bedeutet übersetzt “schaumig” und kann als eine Vorstufe einer Blase angesehen werden.

Ray Dalio's finaler Indikator

Die oben kurz beschriebenen sechs Messungen des Indikators werden final aggregiert und anschließend in der obigen Grafik zusammengefasst. Aktuell befindet sich der Indikator in etwa am 77. Perzentil, was bedeutet, dass 77% aller Messungen unter dem aktuellen Stand liegen. Höchststände wieß der Indikator in den 1920er Jahren und um die Jahrtausendwende auf. Die Divergenz zwischen dem Gesamtmarkt und den Aktien der Kategorie Emerging Tech ist allerdings beträchtlich und wird auch an folgenden zwei Grafiken nochmals deutlich erkennbar.

Diese Grafik zeigt den Anteil der Aktien, die sich auf Basis des Blasen Indikators in einer Blase befinden. Die linke Grafik zeigt, dass etwa 5% der Top 1000 Unternehmen blasenähnliche Bewertungen aufweisen, was etwa halb so viele Unternehmen sind wie zur Dot-Com Blase 2000. Die rechte Grafik zeigt den Anteil der Unternehmen des S&P500, die eine blasenähnliche Bewertung aufweisen. Hier sind es etwa 3%.

In der obigen Grafik wurden die Renditen seit Januar 2020 für a) die Top 500 Unternehmen und b) die Unternehmen mit blasenähnlicher Bewertung berechnet. Eine Divergenz ist direkt zu erkennen, was ebenfalls die vorzufindenden Bewertungen fragwürdig erscheinen lässt.

Fazit

Der von Ray Dalio und Bridgewater Associates entworfene und angewandte Blasen Indikator hatte historisch gesehen ein gutes Timing für Blasen am Aktienmarkt. Die aktuelle Situation bzw. die aktuellen hohen Bewertungen sind überwiegend innerhalb einer Gruppe von Aktien widerzufinden. Insgesamt ist der Markt zwar hoch bewertet, doch anhand des Indikators lässt sich noch keine größere Übertreibung am Aktienmarkt erkennen. Da jedoch der Gesamtmarkt auch einige Zeichen von “Frothiness” aufweist, wird wohl die aktuell hohe Volatilität weiterhin bestand haben.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Felix von Portfolio-Architekt

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Super geschriebener und informativer Artikel :-). In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen

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