Aufgrund der aktuellen Situation rund um COVID-19 erleben die Finanzmärkte rapide Kursverluste, welche ihresgleichen suchen. Der Dax hat innerhalb kürzester Zeit über 40 Prozent verloren, weitere Indizes wie der S&P500, der Nikkei, der FTSE und grundsätzlich nationale Aktienindizes sind massiv eingebrochen. Herr Felbelmayr, Ökonom des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, warnte etwa vor „der Mutter aller Rezessionen“. Angesichts solcher Meldungen gilt es sich einen Krisenfahrplan für das eigene Depot zurechtzulegen. Optimalerweise ist dies bereits geschehen, falls jedoch nicht, möchte ich an dieser Stelle einen kurzen Vergleich mit den Kursverlusten während der Weltwirtschaftskrise 1929 ziehen und aufzeigen, wie man diese als Anleger relativ simpel überstanden hätte.

Zunächst einmal wollen wir uns den Kursverlauf des S&P500 zwischen den Jahren 1900 und 1950 anschauen:

Der Einbruch 1929 ist deutlich erkennbar. Der S&P500 hat gemessen von seinem Hochpunkt im Oktober 1929 bis zu seinem Tiefpunkt im Sommer 1932 einen Verlust von über 80% (!) zu verzeichnen. Im nächsten Schritt wollen wir nun das Worst-Case-Szenario simulieren, welches ein Investment genau zum Zeitpunkt des Hochpunkts darstellt. Die Höhe des Investments soll beispielhaft 1000€ betragen:

An der Grafik wird deutlich, dass ein einzelnes Investment im Jahre 1929 einen äußerst langen Drawdown mit sich bringt: ~ 15 Jahre! Höchstwahrscheinlich hätte ein Anleger nach den panikartigen Kursverlusten sowieso die Position liquidiert und lieber Cash gehalten. Doch wie sollte bzw. kann ein Anleger sich in solchen Zeiten richtig verhalten? Die Antwort hierauf scheint zu Zeiten von ETF-Sparplänen recht selbsterklärend zu sein – ein Sparplan!

Wir wollen nun im nächsten Schritt einen zweiten Anleger betrachten, der wie zuvor im Hochpunkt 1929 1000€ investiert, jedoch weiterhin jeden Monat 10€ als Sparplan hinzuschießt. Die Entwicklung beider Portfolios ist sehr lehrreich:

Die Dauer des Drawdowns beträgt anstatt 15 Jahren nur noch knapp 4 Jahre! Dieser Zeitraum ist nichtsdestotrotz äußerst lange und psychisch für viele Anleger wahrscheinlich sehr belastend, jedoch zeigt die monatliche Sparrate auch in weiterer Zukunft die ganze Wirkung.

Was sagt uns das?

Die aktuelle Situation rund um COVID-19 ist äußerst ernst, was auch die Anweisungen der Regierung jedem verdeutlichen sollten. Beim Blick auf das eigene Depot jedoch, gilt es stets einen kühlen Kopf zu bewahren und sich anhand vergangener Krisen zu orientieren. Hoffentlich konnte diese kurze Ausführung deine Gedanken über einen Krisenfahrplan des eigenen Depots etwas anregen.

Mit freundlichen Grüßen und weiterhin ein schwankungsfreies Depot,

Dein Felix von Portfolio-Architekt

7 Kommentare
  1. Daniel sagte:

    Hallo Felix,
    schöner Artikel und ich denke das Prinzip eines kontinuierlichen Sparplans ist deutlich geworden. Jedoch dürfte es in der Praxis für viele Anlager schon ab einem Depotwert von 20.000€ schwierig werden, monatlich 2000 Euro über vier Jahre nachschießen zu können.

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    • Felix sagte:

      Hallo Daniel,

      da hast du selbstverständlich Recht!
      Leider muss ich zugeben, dass die 100€ im Artikel nicht richtig waren, es hätten lediglich 10€ pro Monat sein sollen bzw. ich habe es mit einer Sparrate von 10€ durchgerechnet.
      Habe das direkt behoben.

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  2. Andreas sagte:

    Irgendwie glaube ich, bei eurer Berechnung ist ein Fehler passiert.. Bei einem monatlichen Sparplan von 100€ sollten allein schon durch die Sparrate 24.000€ über die 20 Jahre zusammenkommen. Ein Endvermögen von 8.000€ kann da nicht sein, weil der Endstand des Index den höchsten Punkt darstellt, also keine einzelne Rate einen Verlust gemacht hätte.

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    • Felix sagte:

      Hallo Andreas,

      die Sparrate beträgt 10€ pro Monat. Dieser Fehler wurde von mir bereits im Text korrigiert.
      Wahrscheinlich hast du den Artikel leider schon vor meiner Korrektur gelesen.

      Die Berechnung erfolgte relativ Simpel:
      [Portfoliowert zu Beginn des Monats + Sparrate über 10€] + ([Portfoliowert zu Beginn des Monats + 10€] * Monatsrendite) = Portfoliowert am Ende des Monats


      Beispiel:

      – Portfoliowert = 1000€
      – Sparrate = 10€
      – Monatsrendite = 10%

      => 1010€ + (1010€ * 10%) = 1111€

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  3. Matthias sagte:

    „Die Dauer des Drawdowns beträgt anstatt 15 Jahren nur noch knapp 4 Jahre!“
    In den 4 Jahren hat man ja auch 480 Euro zusätzlich investiert, heißt das, die Berechnung war, wie lange es dauert, bis man zurück auf 1000 Euro ist? In dem Fall würde ja auch ein einmal Investment von 1000 euro reichen, um dorthin zurückzukommen. Oder ist das bereits die Berechnung, wie lange es dauert, um das Depot wieder auf 0€ Verlust zu bekommen? (Was für die meisten Anleger die interessantere information sein wird, schon psychologisch.)

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    • Felix sagte:

      Hallo Matthias,
      die Berechnung hat nicht primär darauf abgezielt, die Dauer des Drawdowns zu errechnen. Diese Erenntnis erhält man zwangsläufig bei dieser Betrachtung.
      Ich wollte lediglich den Effekt einer Sparrate aufzeigen, welche mir mit ~1% des Depotwerts durchaus realistisch erscheint.
      Zur besseren Darstellung habe ich noch zusätzlich zwei Grafiken in den Artikel eingefügt, welche den Drawdown einzeln abbilden. Ich hoffe das hilft.

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  4. Rina sagte:

    Danke für die interessante Aufstellung! Ich sehe es genauso. Die Lage ist ernst und man sollt sich wirklich an die Vorschriften halten, allerdings auch nicht in Panik verfallen und vor allem nicht beim Portfolio. In seine Titel vertrauen und sich auf Kaufkurse freuen, sonst einfach die Füße still halten und die Strategie auch in der Krise weiter fahren. Mal schauen wo uns diese ganze Sache noch hin führt.

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