Ein auf dem VIX-basierendes Mean-Reversion Handelssystem – Teil 1

Der Volatilitätsindex (VIX) der Chicagoer Börse gilt als einer der besten Stimmungsbarometer der Aktienmärkte. Institutionelle, Privatanleger, Finanzwirtschaftler und sogar die Notenbank hält diesen Index genau im Auge um die aktuelle Marktlage einschätzen zu können. Ein hoher Indexstand weißt darauf hin, dass Marktteilnehmer eine Korrektur oder zumindest einen Kursrückgang fürchten und deshalb ihr Portfolio absichern. Ein sinkenden bzw. niedriger Stand des VIX wird mit einem bullischen Sentiment gleichgesetzt, bei dem der Großteil der Marktteilnehmer steigende Kurse erwartet. In diesem Artikel wird untersucht ob der VIX sich als Marktbarometer eignet bzw. ob mit Hilfe dieses Index sich ein systematisches Handelssystem für den S&P500 erstellen lässt.

Was ist der VIX und wie wird er berechnet?

Der VIX wurde erstmals 1993 eingeführt. Ursprünglich wurde er entwickelt um die Markterwartung der 30-tägigen Volatilität zu messen, die von den Preisen der am Geld befindlichen S&P100 Indexoptionen impliziert wird. Im Jahr 2003 wurde der VIX in Zusammenarbeit mit Goldman Sachs aktualisiert. Die neue Methodik schätzt die erwartete Volatilität, indem sie die gewichteten Preise von SPX-Puts und -Calls über einen breiten Bereich von Strike-Preisen zusammenfasst. Einige Jahre später wurden auch wöchentliche Optionen in die Berechnung des VIX einbezogen.
Die Volatilität spielt eine wichtige Rolle im Investitionsprozess der Finanzinstitute, da sie ein weithin akzeptiertes Maß für das aktuell vorliegende Risiko des Aktienmarktes ist. Es ist wichtig, zwischen der berechneten Volatilität, die durch den VIX gemessen wird und der Volatilität eines einzelnen Wertpapiers zu unterscheiden, die normalerweise als seine Standardabweichung ausgedrückt wird. Die Standardabweichung ist ein ex-post-Maß und repräsentiert die historische Volatilität eines einzelnen Vermögenswert. Im Gegensatz dazu ist der VIX ein ex-ante-Maß für die erwartete Volatilität innerhalb eines 30-Tage-Zeitraums. Eine steigende Volatilität des VIX spiegelt eine zunehmende Angst der Marktteilnehmer vor einem Abschwung wider. Seit seiner Aktualisierung im Jahr 2003 hat sich der VIX zu einem weithin akzeptierten Standard für den Handel und die Absicherung von Volatilität entwickelt.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des VIX seit dem Jahr 2000. Deutlich zu erkennen sind die Kursspitzen während der Finanzkrise 2008/2009 und der Coronakrise.

Auswirkungen auf den Aktienmarkt

Allein schon die Berechnungsmethodik des VIX weißt auf einen signifikanten Zusammenhang mit dem Aktienmarkt hin. Um diesen Zusammenhang nochmals besser zu visualisieren dient folgende Grafik, in der sowohl der VIX, der S&P500 als auch die jeweilige Korrelation über einen Zeitraum von 12 Monaten abgebildet sind.

Der Zusammenhang zwischen VIX und S&P500 wird, wie oben bereits angedeutet, an Krisen sehr deutlich. Während der S&P500 deutliche Kursverluste erfährt, steigt der VIX im gleichen Zeitraum stark an. Die Korrelation, die für einen Zeitraum von 12 Monaten berechnet wurde, unterstreicht das inverse Verhalten beider Indizes.

Wie kann man hiervon profitieren?

Eine erste Überlegung wäre es, den Durchschnitt des VIX über den Betrachtungszeitraum zu berechnen und bei einer Überschreitung in den S&P500 zu investieren. Das Ziel hierbei ist es den Mean-Reversion-Effekt (dt.: Rückkehr zum Mittelwert) zu nutzen. Historisch betrachtet waren die Hochpunkte des VIX gleichzeitig die Tiefpunkte des Aktienmarktes, woraus man selbstverständlich eine Strategie ableiten kann. Ein direkter Einstieg in den Markt nachdem der VIX seinen historischen Durchschnitt überschritten hat, mag eventuell etwas verfrüht sein, dies lässt sich nur mittels eines Backtest herausfinden.

Strategie 1

In einem ersten Schritt wird der Durchschnittskurs des VIX berechnet, welcher bei 19,95 liegt. Der einfachheit halber wird dieser Wert auf 20 aufgerundet und in die untenstehende Grafik eingetragen.

Aus der Grafik ersichtlich weißt der VIX grundsätzlich drei Cluster an Überschreitungen auf: Um das Jahr 2001 herum, um die Finanzkrise 2009 und um den Coronacrash 2020. Zwischen diesen drei Clustern gibt es vereinzelt, aber eher selten Überschreitungen.

Die zu testende Strategie ist sehr simpel: sobald der VIX seinen historischen Durchschnitt überschreitet, wird eine Long-Position im S&P500 eröffnet und erst wieder geschlossen, sobald der VIX unter seinem historischen Durchschnitt notiert.

Die Performance der Strategie fällt folgendermaßen aus:

Die Grafik zeigt die Entwicklung eines Portfolios in welches zu Beginn ein Euro investiert wurde. Die Strategie weißt hohe Drawdowns auf, vor allem 2008/2009 wäre das Portfolio mit über 60% im Verlust gewesen! Das zeigt, dass die Strategie zu früh in den Markt investiert und so die Tiefpunkte während einer Krise am Aktienmarkt nicht richtig abwartet. Somit kann festgehalten werden, dass ein weiterer Filter benötigt wird mit Hilfe dessen das Timing nochmals verbessert werden soll.

Strategie 2

Ein einfach Filter, mit Hilfe dessen eine Trendwende im S&P500 berechnet werden kann, sollte ein gleitender Durchschnitt sein. Der Filter könnte das System erst handeln lassen, sobald der Kurs des S&P500 über den gleitenden Durchschnitt notiert. Hierbei sollte ein kurzes Berechnungsfenster gewählt werden, da so trotz Filter früh genug investiert werden kann.

Die Grafik enthält einen Ausschnitt für das Jahr 2020. In diesem Jahr steigt der VIX im Februar über seinen gleitenden Durchschnitt und der S&P500 fällt parallel. Somit entsteht hierdurch ein Handelssignal. Der nun verwendete Filter in Form eines 20-Tage gleitenden Durchschnitts des S&P500 lässt das System jedoch nicht sofort investieren. Etwa im April übersteigt der Kurs des S&P500 seinen eigenen gleitenden Durchschnitt und das finale Handelssignal wird generiert. Aus der Grafik lässt sich direkt sehen, dass so der starke Kursverfall umgangen werden kann und erst eine Position eröffnet wird, sobald der Kurs wieder am steigen ist.

Die Performance dieser Strategie sieht folgendermaßen aus:

Ouch! Die Performance der zweiten Strategie ist trotz des implementierten Filters nochmals schlechter geworden. Nicht nur das, auch der maximale Drawdown hat sich vergrößert – während der Finanzkrise beträgt dieser über 80%!

Woran liegt das? Die folgende Grafik bringt etwas Licht ins Dunkle…

Die Grafik ist ein Ausschnitt aus dem Zeitraum von Mai 2007 bis Mai 2010. Während dieser Zeit befand sich der S&P500 klar in einem Abwärtstrend, weshalb der VIX auch über seinem historischen Durchschnitt notiert. Das Problem an der getesteten Strategie ist, dass der Kurs des S&P500 den eigenen gleitenden Durchschnitt immer wieder kreuzt und somit dafür sorgt, dass Position geöffnet und anschließend im Verlust geschlossen werden.

 

Fazit

Die vorgestellten Strategien profitieren nur, sobald der S&P500 kurzfristige Rücksetzer macht und anschließend wieder steigt. In Phasen von Aufwärtstrends, die durch kurze Kursrücksetzer gezeichnet sind, kann die Strategie sicherlich Gewinn erzielen, doch während Krisen, verliert sie deutlich. Grundsätzlich gibt es drei Variablen an denen angesetzt werden kann:

  1. Die starre Betrachtung des historischen Durchschnitts des VIX mag vielleicht einfach nachzuvollziehen sein, jedoch wäre es besser eine Art dynamisches Berechnungsmaß anzuwenden, welches die eigene Volatilität des VIX mitberücksichtigt.
  2. Die vorgestellte Strategie benötigt womöglich einen Take Profit, welcher nach einem Mindestgewinn oder aber einer Mindesterholung des S&P500 automatisch einen Trade im Gewinn schließt.
  3. Ein besserer Trendfilter, der nicht so volatil wie der hier gewählte 20-Tage gleitende Durchschnitt fungiert, sollte zu einer stabileren Performance beitragen.
Dies war der erste Teil einer Artikelserie in welcher versucht wird, ein Mean-Reversion System zu entwickeln. Sollte dir diese Art der Artikel gefallen, dann lass mich das doch in den Kommentaren wissen. Zudem gefallen Dir dann wahrscheinlich auch meine Artikel zu den gleitenden Durchschnitten und den Bollinger Bändern.
 
Viele Grüße
Felix von Portfolio-Architekt
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