Director’s Dealing – wenn Insider handeln

Beim Aktienkauf gibt es mehrere Faktoren, die beachtet bzw. analysiert werden können: das Geschäftsmodell, die Entwicklung der Unternehmenskennzahlen, eine Bewertung anhand verschiedener Bewertungsmetriken oder eine reine Analyse des Charts (Technische Analyse). Ein weiterer Faktor, der ebenfalls herangezogen werden könnte, sind die sogenannten Director’s Dealings: Transaktionen von Unternehmens-Insidern alias Insiderhandel.

Als Insider gelten laut BaFin Vorstände und Aufsichtsräte von Unternehmen sowie deren Angehörige. Genau genommen definiert die BaFin den Kreis aller Meldepflichtigen folgendermaßen:

„Wenn eine Person, die innerhalb eines Emittenten mit Führungsaufgaben betraut ist, mit Finanzinstrumenten handelt, die der Emittent selbst begeben hat (z.B. Aktien oder Anleihen), dann sollten diese Eigengeschäfte (Director's Dealings) den Anlegern nicht verborgen bleiben. […] Die Meldepflicht gilt auch für Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, unterhaltsberechtigte Kinder und andere Verwandte, die seit mindestens einem Jahr demselben Haushalt angehören. Das Gleiche gilt auch für mit der Führungskraft in enger Beziehung stehende juristische Personen, treuhänderisch tätige Einrichtungen (z.B. Stiftungen) oder Personengesellschaften.“

Bafin - Marktmissbrauchsverordnung (EU) Nr. 596/2014

Der kritische Betrag, ab dem eine Investition gemeldet werden muss, sind 20.000 Euro (seit 2020, davor 5.000 Euro). Zudem gilt eine Meldepflicht von zwei Tagen. Die einzige Ausnahme gilt 30 Tage vor der Veröffentlichung der Zwischen- und Jahresberichte, da hier ein Handelsverbot herrscht.

Die Datenquelle, die uns als Privatinvestoren hierzu zur Verfügung steht, ist die Datenbank der BaFin. Hier kann man relativ einfach die kürzlich getätigten Insiderkäufe filtern und nachvollziehen. Zudem ist es damit möglich, die gesamten Daten per CSV herunterzuladen. Letzteres hat mich natürlich direkt auf die Idee gebracht, auf Basis der zur Verfügung gestellten Daten ein Handelssystem oder Kursprognose-Modell zu entwerfen.

Datenstruktur

Die eigentliche Analyseidee meinerseits hatte einen Betrachtungshorizont von über 10 Jahren vorgesehen. Leider kann man jedoch lediglich die Daten des letzten Jahres herunterladen. (Falls ich mich hier irren sollte und ich die Datenbank der  BaFin falsch bedient habe, dann teil mir das bitte mit! Allerdings konnte ich trotz meines eingestellten Startdatums 2010 nur Daten des letzten Kalenderjahres herunterladen.)

Der vorliegende (von mir schon etwas aussortiete) Datensatz hat die folgende Struktur:

Auffällig ist das aggregierte Volumen, da dieses teilweise unter dem von der BaFin definierten, kritischen Wert liegt. Das liegt daran, dass Wertpapiergeschäfte meldepflichtig werden, sobald diese insgesamt einen Betrag von 20.000 Euro (früher 5.000 Euro) bis zum Ende des Kalenderjahres erreicht haben. Somit sind durchaus Teilkäufe unterhalb des kritischen Betrags möglich und erst meldepflichtig, sobald dieser im Laufe des Jahres überschritten wird.

Wie kann man damit ein Handelssystem bauen?

Eine erste Überlegung ist es, eine Aktie zu kaufen, sobald Insider Käufe in großem Umfang tätigen. Umgekehrt könnte man eine Aktie natürlich auch leerverkaufen, sobald Insider große Aktienvolumina abstoßen. Aus Gründen der Einfachheit werde ich mich zunächst auf Insiderkäufe beschränken und in einem späteren Artikel das hier entwickelte System um Verkäufe erweitern.

Für einen ersten Eindruck zu den Volumina der Käufe sind in der folgenden Abbildung die Aktien mit dem durchschnittlich größten Kaufvolumina in 2020 abgetragen. (Das durchschnittlich größte Volumen habe ich hier nicht geplottet, da dies ein wenig aus der Reihe tanzt: Gateway Real Estate AG mit 415 Millionen Euro! Dies war eine einmalige Kauforder am 12.05.2020 einer sonstigen Führungsposition. Am gleichen Tag gab es im selben Volumen auch Verkauforders zweier AG’s, was vermuten lässt, dass eine Führungsperson evtl. die Anteile von externen Investoren wieder zurückgekauft hat o. Ä.)

Insiderhandel der Zooplus AG

 Für die weitere Analyse habe ich ein bestimmtes Unternehmen aus dem Datensatz zufällig ausgesucht: die Zooplus AG. Insgesamt wurden im Jahr 2020 11 Käufe getätigt:

Die obige Liste ist nach der Größe des aggregierten Volumens geordnet. In der unteren Abbildung habe ich die einzelnen Käufe sowie deren Volumen nochmals chronologisch geordnet dargestellt.

Insiderkäufe = Kursanstieg?

Im folgenden Diagramm sind sowohl der Kursverlauf der Zooplus AG im Jahr 2020 wie auch alle durch Insider getätigten Käufe abgetragen. Mithilfe einer solchen grafischen Darstellung lassen sich etwaige Muster beim Kaufverhalten der Insider erkennen.

Die Aktie hat im letzten Jahr über 100% zugelegt. Daher wundert es kaum, dass auch jeder einzelne Kauf im Plus liegt. Besonders interessant sind jedoch die Zeitpunkte der Käufe. Im September hatte die Aktie nach einer Korrektur ihren Tiefpunkt erreicht und ist anschließend wieder kräftig gestiegen. Genau in diesem Zeitraum sind auch zwei Insiderkäufe getätigt worden. (Natürlich heißt das nicht, dass Insider den Kursverlauf vorhersagen können. Allerdings haben sie wohl ein besseres Gefühl dafür, zu welchen Zeitpunkten die eigene Aktie fair oder sogar unterbewertet ist und ein Kauf sich lohnen wird.)

Darüber hinaus habe ich auch die einzelne Entwicklung eines jeden von Insidern getätigten Kaufs berechnet. Über den Schlusskurs des jeweiligen Kauftages habe ich die kumulierte Performance der Position berechnet. Wie aus der nachfolgenden Abbildung hervorgeht, befindet sich jeder über 1.0 und ist somit im Plus. Hätte man im Jahr 2020 also als “Trittbrettfahrer” der Zooplus AG Insider agiert und wäre deren Käufen gefolgt, hätte man also ebenfalls Geld verdient.

Hilfreicher Indikator?

Leider sind über die BaFin nur Daten für das Jahr 2020 verfügbar. Da bei dieser Datenlage kein umfangreicher Backtest durchgeführt werden kann, sind die Ergebnisse nur begrenzt aussagekräftig. In den nächsten Wochen werde ich aber noch weitere Analysen mit den verfügbaren Daten durchführen. Falls dich dieses Thema darüber hinaus interessiert, dann schreib mir doch bitte in die Kommentare.

 

Viele Grüße

Felix von Portfolio-Architekt

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. FinanzCowboy

    Spannende Analyse! Danke für die Mühe. Denke, Insider-Handel ist so alt, wie die Börse selbst.

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