Alpha Architect Robust – Backtest aller Portfolios

Alpha Architect ist ein US-amerikanischer Asset Manager, welcher mittlerweile knapp über 1 Mrd. US-Dollar an Vermögen verwaltet.

Der Anlageansatz von Alpha Architect selbst wird als transparent, systematisch und vor allem wissenschaftsbasiert beschrieben. Es werden also nicht nur “einfache” Asset Allokationen erstellt oder verschiedene Handelssysteme angewandt, sondern der Anlageansatz repräsentiert stets den aktuellen Stand der Wissenschaft.

Robust Asset Allocation (RAA)

Auf der Homepage von Alpha Architect findet sich die sogenannte Robust Asset Allocation, die im Gegensatz zu normalen strategischen Asset Allokationen auch eine taktische Komponente enthält. Insgesamt wird zwischen drei verschiedenen Portfolios unterschieden: Balanced, Moderate und Aggressive. Das Risiko der Portfolios nimmt in der eben genannten Reihenfolge zu.

Laut den Autoren eignen sich diese Portfolios sehr gut für Privatanleger, da die Ziele der Portfolios mit denen eines normalen Anlegers übereinstimmen:

  1. Portfoliowachstum, das mit der Inflation Schritt hält
  2. Vermeidung großer Drawdowns
  3. “Steuerschonendes” Investieren
  4. Liquidität.

Auf den dritten Punkt soll in diesem Artikel nicht eingegangen werden, da die Autoren hier durch die Brille eines US-amerikanischen Anlegers schauen. Grundsätzlich setzen sich die einzelnen Portfolios wie folgt zusammen:

Quelle: Alpha Architekt, eigene Darstellung.

Die Portfolios sind über 8 Anlageklassen diversifiziert:

  1. Aktien USA
  2. Aktien International
  3. Immobilien
  4. Rohstoffe
  5. Anleihen

In 3 Schritten zum Portfolio

Die drei Portfolios von Alpha Architekt sind wie oben erwähnt nicht nur strategischer, sondern taktischer Natur, weshalb nun die Regeln zum Managen der Portfolios vorgestellt werden. Laut Alpha Architect gibt es drei wichtige Elemente bei der Erstellung eines Portfolios, welche in der folgenden Grafik abgebildet sind.

Quelle: Alpha Architekt.

Eine Asset Allokation sollte einfach gestaltet werden, da so die Umsetzung und das Managen für jeden Privatanleger möglich ist. Zwar gibt es einige komplexe Ansätze, die in der Wissenschaft diskutiert und als überlegen angesehen werden als eine simple 1/N Allokation, doch sind diese für einen Privatanleger ohne Phd wohl nicht umzusetzen. Einen guten Überblick über führende Methoden zur Erstellung einer Asset Allokation finden sich bei Victor DeMiguel.

Um zu verstehen wieso ein simple 1/N Allokation nicht immer optimal ist, wird folgendes Beispiel angeführt:

Angenommen es wird ein Portfolio betrachtet, welches genau zwei Anlageklassen enthält: Kurzfristige Anleihen und Call Optionen auf den S&P500 (3 x gehebelt). Würde eine 1/N Aufteilung vorgenommen, so würden beide Anlageklassen zu  jeweils 50 % in das Portfolio einfließen. Das diese Allokation wenig sinnvoll, gar gefährlich ist, erschließt sich wohl von selbst. Andererseits wäre wohl ein Ansatz auf Basis von Risk Parity Optimierung basierend auf Machine Learning Q-Theory Black-Litterman usw. ebenso nutzlos. Die goldene Mitte, also vielleicht eine statische 80/20-Aufteilung, wäre wohl die treffendste Lösung.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  1. Keep it simple
  2. Mehr Komplexität ungleich mehr Wert

Die Portfolios basieren ganz simpel auf Lage Cap Aktien aus dem Inland (US) und den entwickelten Ländern (EAFE). Ein sowohl gleichzeitig simpler als auch einfach umzusetzender Ansatz. Jedoch wird bei der genauen Auswahl der Wertpapiere das Profil etwas verändert, was ohne unnötig die Komplexität zu erhöhen gleichzeitig die Rendite verbessern soll. Konkret wird eine Unterteilung in Value und Momentum unternommen, welche zu gleichen Teilen ins Portfolio fließen. Wes Gray hat zu beiden Faktorstrategien auch selbst zwei Bücher veröffentlicht, in denen bis ins Detail alles rund um die Thematik Value und Momentum erklärt wird.

Grundsätzlich ist es bei Faktorstrategien wichtig, dass ein Anleger “am Ball bleibt” und nicht während einer Periode der Underperformance das Handtuch wirft. Eine gute Erklärung von Alpha Architekt zu diesem Thema findet sich hier und hier.

Die Reduzierung des Drawdowns hilft einem jeden Anleger der eigenen Strategie zu folgen. Deshalb wird in den Portfolios noch eine Regel implementiert, welche dafür sorgt, dass das Portfolio in Zeiten von Markteinbrüchen nicht mehr zu 100 % investiert ist. Eine gute Erläuterung bzw. eine einfache Strategie, wie so etwas umsetzbar ist, wurde von Meb Faber hier veröffentlicht.

Für die hier betrachteten Portfolios gelten grundsätzlich zwei Regeln:

  • Time Series Momentum Rule

Hier wird eine Überschussrendite betrachtet, die wie folgt berechnet wird:

Überschussrendite = Historische Gesamtrendite der letzten Monate abzüglich der Rendite von T-Bills. Wenn die Überschussrendite > 0 ist, wird investiert. Andernfalls wird das Geld in T-Bills angelegt.

Dieser Ansatz wurde ursprünglich von Gary Antonacci in seinem Buch  “Dual Momentum Investing” veröffentlicht. Zudem findet sich hier eine detaillierte Untersuchung zu diesem Thema von Moskowitz et al.

  • Simple Moving Average Rule

Wenn der aktuelle Preis abzüglich des gleitenden Durchschnitts > 0 ist, wird investiert. Andernfalls wird in T-Bills investiert.

Die folgende Grafik fasst den Punkt drei nochmals zusammen.

Und wie steht's um die Performance?

In einem ersten Schritt soll die Performance der Portfolios miteinander verglichen werden. Zur besseren Vergleichbarkeit ist zusätzlich noch der S&P500 abgetragen.

Quelle: Alpha Architect, eigene Darstellung.

Die Performance aller Portfolios sieht auf den ersten Blick äußerst beeindruckend aus. Das RAA Aggressive weißt sogar zum aktuellen Zeitpunkt eine Outperformance aus, aber auch die anderen beiden Portfolios haben sich sehr gut entwickelt. Während Krisenzeiten wie bspw. zur Weltfinanzkrise 08/09 weißen die Portfolios im Gegensatz zum S&P500 keinen hohen Drawdown auf. Dieser wird in der nächsten Grafik etwas genauer dargestellt.

Quelle: Alpha Architect, eigene Berechnung.

Alle Portfolios weißen zu jedem Zeitpunkt einen hinnehmbaren Drawdown auf. Das RAA Aggressive hat über die Zeit den höchsten durchschnittlichen Drawdown, welcher bis zur Corona-Krise aber nie über 15 % betrug. Erst kürzlich wurde knapp 22 % ein neuer maximaler Drawdown erreicht.

Weitere Kennzahlen zu den Portfolios finden sich in der folgenden Tabelle:

RAA Balanced RAA Moderate RAA Aggressive S&P500

CAGR

9,09 %

10,09 %

10,94 %

10,41 %

Volatilität

7,29 %

8,34 %

10,24 %

15,09 %

Sharpe Ratio

1,25

1,21

1,07

0,69

Max. Drawdown

-11,66 %

-13,99 %

-21,89 %

-50,95 %

% positiver Monate

64,42 %

64,10 %

62,82 %

66,99 %

Alle Portfolios weißen hervorragende Rendite-Risiko Kombinationen aus. Der maximale Drawdown des RAA Balanced und RAA Moderate sind wirklich beeindruckend.

Eine weitere Methode um Portfolios analysieren zu können, sind rollierende Renditen. Hinter diesem Prinzip steht die Überlegung, dass ab bei einer gewissen Haltedauer ein Portfolio stets ein positives Ergebnis ausweisen sollte. Es ist kein Geheimnis, dass mit einer ausreichend langen Haltedauer ein diversifiziertes Portfolio stets ein positives Ergebnis geliefert hat. Für die drei Portfolios wurden deshalb einmal die 1-jahres und einmal die 5-jahres rollierenden Renditen berechnet.

Aus den Grafiken ist ersichtlich, dass ab einem Anlagehorizont von 5 Jahren fast immer eine positive Rendite erwirtschaftet wird. Bei der abgetragenen Rendite (Vertikale Achse) handelt es sich um die durchschnittliche jährliche Rendite der Portfolios. Lediglich die Corona-Krise hat hier wirklich einen negativen Performanceinfluss.

Interessant ist allerdings die abnehmende 5-jahres Rendite der rechten Grafik. Es entsteht der Eindruck, dass die Portfolios nach der Finanzkrise an Glanz verloren haben und an frühere durchschnittliche Rendite nicht herankommen. Dies mag eventuell auch an der Underperformance des Value-Faktors während des letzten Jahrzehnts liegen. Darüber habe ich bereits einen Artikel geschrieben.

Zusammenfassung

Um auf die oben genannten Ziele nochmals einzugehen, lässt sich festhalten, dass die RAA Portfolios von Alpha Architect wirklich überzeugt haben. Hohe Renditen, niedrige Drawdowns und da die Anlageklassen allesamt durch liquide ETFs abgedeckt werden können, kann hinter dem Ziel Liquidität ebenfalls ein Haken gesetzt werden. Faktorstrategien, die durch eine wissenschaftlich fundierte Basis ausgezeichnet sind, können wirklich einen Renditeturbo darstellen. Zudem ist die Strategie zur Verringerung des Drawdowns ebenfalls ausschlaggebend. Hierdurch wird zwar nicht die Rendite erhöht, jedoch das Risiko sowie der maximale Drawdown gesenkt. Ein konkreter Vergleich zwischen Portfolios mit und ohne Strategie zur Verringerung des Drawdowns finden sich direkt auf der Seite von Alpha Architect.

 

Viele Grüße

Peter von Portfolio-Architekt

Inhalte werden geladen

Schreibe einen Kommentar